Mountainbike: Alles was du wissen musst [Rezension]

Superlativen sind ja so eine Sache. Wenn irgendwo von der „Mountainbiker-Bibel“ geschrieben wird, ist man per se erstmal skeptisch. Und dann ist das Buch schon ein paar Jahre alt. Ob „MTB: Alles was du wissen musst“ hält was es verspricht und was darüber geschrieben wird…?

Erster Eindruck

Es gib unendlich viele Fahrtechnikbücher da draussen. Immer wieder neueAnsätze, immer wieder neue Zielgruppen, Nischen und Spezialwissen. Wenn ein Buch dann „Alles was du wissen musst“ heißt und bereits 2012 zuletzt aufgelegt wurde, darf man schonmal skeptisch sein. Schließlich braucht ein Tourenfahrer und Alpencrosser sicher andere Infos als ein Freerider. Und dann soll ein „one size fits all“ funktionieren?

Genau hier machen Brian Lopes und Lee McCormack den Unterschied. Denn natürlich ist Spezialwissen sinnvoll, haben Spezial-Bücher, ihren Sinn, aber darunter gibt es eine große Masse an Basiswissen, das jeder Biker braucht. Und genau das ist relativ konstant. Und hier hat das Buch seine Stärken.

Die guten Seiten

Eines fällt sofort auf: Das Buch* ist nicht nur inhaltlich ein Rundumschlag, sondern auch stilistisch eine Ansage. Und von Ansagen gibt es eine Menge. Wer also einen seichteren Ton vorzieht, wird sich kurz an den Einschlag gewöhnen müssen. Hier wird die Motivation gehoben. Mit Nachdruck. Für mich liest sich das durchaus passend, denn der Schreibstil ist keinesfalls abwertend, schafft es aber genügend Druck aufzubauen und das schlechte Gewissen zu wecken, um doch noch einen Übungsrunde zu fahren.

Hier werden klar Erinnerung an diverse Themen und Fakten aus Fahrtechnikseminaren wach: Immer lächeln, das beeinflusst das Fahren, Geschwindigkeit gibt Sicherheit, Hintern nach hinten, etc. Wer schonmal einen Fahrtechnikkurs besucht hat, wird wissen was ich meine, und weiß, dass das nicht blosses Gerede ist.

MTB - Alles was du wissen musst - Blick ins Buch (Rezension)
Mountainbiken – Alles was du wissen musst: Blick ins Buch

Inhaltlich ist das Buch eine eierlegende Wollmilchsau. Von der Wahl des richtigen Bikes, über den Bikecheck bis hin zum ersten Setup bekommen selbst blutige Anfänger ein Coaching bevor das Rad überhaupt bewegt wurde. Das ist gut so, denn je nachdem welchem Rad man sich gegenüber sieht, kann ein aktuelles MTB für Anfänger sicher auch einschüchternd wirken. Es geht also erstmal darum langsam anzufangen und herauszufinden was man überhaupt fahren will: Touren, Terrain und passendes Bike.

Das was dann kommt ist für Anfänger wie Profis interessant: Dem Laien gibt es einen Ausblick was möglich ist. Der versierte Biker bekommt handfeste Praxistipps zu fast allem was man auf einem MTB im Gelände so machen kann, muss und sollte. Das gilt sowohl für Trails als auch den nächsten Ausflug in den Bikepark. Lediglich Slopestyler werden hier nicht fündig werden, was aber klar am anderen Fokus des Buchs liegt und passend zum Gesamtkonzept ist.

Ansonsten wird von der richtigen Position im Bike, dem perfekten Antritt, Blickführung, Linienwahl, Jumps & Tricks, Pumptracks, nachhaltiges Biken, Vermeidung von Verletzungen und vielem mehr eigentlich jedes Thema angesprochen, mit dem man als MTB konfrontiert wird. Ganz wichtig: Es gibt viel was man falsch machen kann. Das wissen die Autoren auch und beenden jedes Kapitel mit einem kurzen Katalog von häufigen Fehlern und wie man Abhilfe schafft.

Kritik

MTB-Alles was du wissen musst - Cover (Rezension)Ja, das Buch ist etwas älter und laut Verlag wird es erstmal keine Neuauflage geben. Die Bilder wirken etwas angestaubt und sicher wäre es interessant die informationsfülle auch mal auf dem Prüfstand von z.B. 650B und 29er Hype (ist der eigentlich schon wieder vorbei?) zu stellen und die Meinung der Autoren dazu zu lesen (Nachtrag: Meinung und Info zu den „neuen“ Reifenstandards gibt’s tatsächlich gut versteckt und recht knapp auf wenigen Seiten. Angesichts von zumindest Brian Lopes Meinung ist es nicht verwunderlich, dass das Thema nicht vertieft wurde… ;)). Von E-Bikes fang ich erst gar nicht an. Allerdings vermittelt das Buch vor allem Grundlagen, nicht nur zum Mountainbikesport, sondern vor allem zur Basis-Fahrtechnik. Und die lernt man mit jeder Reifengröße.

Trotzdem: Ich habe das Buch aus Sicht eines Fahrers gelesen, der das ein oder andere Fahrtechniktraining absolviert hat. Aus Sicht eines Fahrtechniktrainers mag die Einschätzung mancher Ansagen veraltet erscheinen. Sicher haben sich in den letzten vier Jahren in Training und Pädagogik einige Dinge geändert. Auch vor diesem Hintergrund scheint eine Neuauflage sinnvoll.

Das gilt auch, wenn es inhaltlich in Punkto Equipment doch mal ins Detail geht. So ist bspw. das erklärte  schnelle Dämpfer-Setup nicht komplett falsch, angesichts gänzlich neuer Entwicklungen am Markt fehlen aber Informationen, die nach vier Jahren technischer Weiterentwicklung sicher passender wären.

Fazit

Dieses Buch ist ein Brett. Nicht nur rein physikalisch spürt man es deutlich, wenn man es im Rucksack mit auf Tour nimmt. Papier wiegt halt. Aber vor allem inhaltlich wiegt „MTB: Alles was du wissen musst“* schwer. Die schiere Fülle von Informationen ist überwältigend. Jede Frage die man vor allem als Einsteiger hat wird adressiert. Und als erfahrener Biker darf man sich über jede Menge praktischer Tipps zu diversen Fahrtechniken (Kurven, Sprünge, Drops…) freuen und vorhandenes Wissen auffrischen. Das eignet sich prima zur Selbstreflexion und ruft einige vergessene Dinge wieder in Erinnerung.

Wichtiger ist aber vor allem eins: Das Buch schafft es zu motivieren. Die schlimmste Strafe ist, dieses Buch ohne Fahrrad an seiner Seite zu lesen. Man will (und soll) es schlicht einfach sofort ausprobieren. Nochmal und nochmal. Nochmal nachlesen, korrigieren, probieren, um besser und sicherer zu werden. Danach wartet dann das nächste Buch mit Spezialwissen.

 

Mountainbike: Alles, was du wissen musst
Autoren: Brian Lopes, Lee McCormack
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Riva (9. März 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3868831559
Preis: 22,-€
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Hinweis: Das Rezensionsexemplar wurde mir vom Verlag kostenlos zur Verfügung gestellt. Einfluss auf die Bewertung und/oder den Wortlaut der Rezension hatte der Verlag nicht.

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